Geschichte und Geschichten von Peter und Paul

Die erste urkundliche Erwähnung der Unterwindacher Kirche gab es vor 450 Jahren

Mit Sicherheit ist die Kirche St. Peter und Paul schon viel älter als die 450 Jahre seit ihrer ersten uns bekannten Erwähnung vom 20. März 1576. Den damaligen Kirchenpflegern Wolfgang Wilhalm und Besstl Wunder haben wir es zu verdanken, dass uns auch dieses erste Datum der Kirchenerwähnung bekannt ist. Die beiden verkauften nämlich mit vorgenanntem Kaufbrief zwei zur Kirche gehörende Güter an den damaligen Schlossbesitzer Carl Wolfgang Rehlinger. Das Geld brauchten sie, um Renovierungsarbeiten an der Kirche durchführen zu können. Für uns heute ist der Text von damals schwer zu lesen.

Die beiden Kirchenpfleger Wolfgang Wilhalm und Besstl Wunder berichteten, wie das Gotteshaus Sankt Silvester zu Windach besonders am Turm, aber auch in der sonstigen Kirchenzier, sosehr baufällig und kaputt gegangen sei, dass es eben jetzt eines größeren Geldbetrages bedürfte, um die Kirche zu renovieren. Rehlinger zahlte 300 Florentiner Gulden und sollte das für die Renovierung nicht reichen versprach er, „aus seinem Sackhl dazue geben“. Er würde dann also die Restkosten übernehmen. Dabei wird die Kirche als „Gotzhauß Sannct Silvest“ (Gotteshaus Sankt Silvester) bezeichnet.

Dem heiligen Silvester gewidmet

Die Kirche in Unterwindach war also dem heiligen Silvester gewidmet. Das Patrozinium wurde somit am 31. Dezember eines jeden Jahres gefeiert. Silvester I. war von 314 bis zu seinem Tod am 31. Dezember 335 Papst. Er war der erste Papst, der nicht mehr unter Christenverfolgung zu leiden hatte. Während seines Pontifikats wurde das Christentum im Römischen Reich (durch den römischen Kaiser Konstantin der Große) legalisiert.

813 war er in den Heiligenkalender aufgenommen worden. Damals war das Patrozinium einer der größten Feiertage des Jahres. Meist wurde es mit einem zweitägigen Kirchweihfest begangen und ein volkstümlicher Jahrmarkt zur Belustigung der Bevölkerung durfte auch nicht fehlen. Die Dorfgemeinschaft feierte ausgiebig. Aber Ende Dezember lässt sich halt schlecht im Freien feiern. Große geschlossene Räumlichkeiten gab es nicht. Laut einer sich früher im Schlossarchiv befindlichen Aufzeichnung stellten demnach die Bewohner Windachs ein Gesuch an die zuständige bischöfliche Behörde mit der Bitte, das Patrozinium doch in den Sommer verlegen zu dürfen, da die Anteilnahme der Bevölkerung an den Feierlichkeiten für St. Silvest im Winter gering sei.

Die Heiligen Petrus und Paulus

So erkoren sich die Windacher die beiden Kirchenfürsten, den Heiligen Petrus und den Heiligen Paulus, als neue Namensträger ihrer Kirche. Deren Patrozinium ist der 29. Juni, also mitten im Sommer – viel besser für Feierlichkeiten.

Eine sich auch heute noch in der Kirche befindliche Stiftertafel aus dem Jahre 1723 zeigt sämtliche Kirchenpatrone.

Immer wieder wurde die Kirche im Lauf ihrer Geschichte erneuert, renoviert und umgestaltet: Erstmals bildlich festgehalten wurde sie auf einem Stich von Michael Wening im Jahre 1701 und eben auf vorgenannter Stiftertafel im Jahre 1723.

Sogar in einen Liebesroman fand die Windacher Kirche St. Peter und Paul Eingang. Im Jahre 1953 erschien im Ehrenwirth Verlag München ein an historischen Stätten spielender, ab doch fiktiver Liebesroman von Horst Wolfram Geissler. Auf den Seiten 382 und 383 besucht die Hauptakteurin auch die Windacher Kirche:

„Die Kirche war ursprünglich gotisch, im Inneren aber barock, wie so oft. Im schön geschwungenen Bogen, der Altarraum und Schiff trennte und verband: das springende Füllen, rechts und links davon eine rätselhafte Buchstabenreihe M.C.F.V.W.G.B.V.B.H.
Vielleicht konnte der Pfarrer Frühauf das erklären, obwohl er mit dieser Kirche nichts zu tun hatte. Man würde ihn gelegentlich fragen.“

Die hier beschriebene „rätselhafte“ Buchstabenfolge, die der fiktive Romanpfarrer Frühauf vielleicht erläutern könnte, bedeutet: M.aria C.atharina F.üll V.on W.indach G.eborene B.arth V.on B.asenbach- H.artmating. Sie war die Ehefrau von Wilhelm Rupert Füll. Beide ließen im Jahr 1663 die Kirche durch Wessobrunner Stuckateure restaurieren.

Im äußeren war die Kirche St. Peter und Paul allein in den letzten 100 Jahren einigen Veränderungen unterworfen.

Manfred Stagl/Gerhard Heininger

Vor der Kirche ist noch das ganz alte kleine Feuerwehrhäuschen zu sehen (um 1915). (Foto: Uli Hofbauer)
Die Kirche mit dem danebenstehenden Pfarrhaus (um 1925). (Foto: Archiv Veteranenverein)
Die Kirche St. Peter und Paul mit auffälliger Diamantquaderung in den 1980er Jahren. (Foto: Charlotte Sedlmeir)
Stich von Michael Wening von 1701 (die Kirche rechts unten im Eck).
Ausschnitt aus der Stiftertafel von 1723. Oben: die Gottesmutter mit dem Jesuskind, links der Heilige Silvester, rechts die Heiligen Petrus und Paulus. (Foto: Gerhard Heininger)