Aktion des Frauenstammtisches vor dem Schlossmarkt
Samstagmorgen vor dem Schlossmarkt in Windach. Während die Frühaufsteher frische Semmeln holen, braust ein roter Ape-Transporter heran. Es geht los. Die Mitglieder des „Frauenstammtisches“ bauen ihren Infostand auf, es gibt auf der Ladefläche der Ape rote Chili-Suppe. Damit Frauen sichtbarer werden und bei der Kommunalwahl am 8. März mehr Stimmen bekommen.
„Wussten Sie, dass in unserem Gemeinderat unter 16 Mitgliedern nur zwei Frauen vertreten sind?“ Beate Bückers und Angelika Baringhorst von der unabhängige Gruppe der „Freien Wähler Windach“ (FWW) sprechen immer wieder Bürger an. Einer, der ihnen zuhört. ist Michael Defregger. „Frauen könnten in der Politik neue Perspektiven einbringen“, sagt er. Dann geht er einkaufen – und bringt eine Tüte Brezn zurück, als Zeichen seiner Solidarität. Viele Fragen tauchen auf: Sollte man Frauen nur wählen, weil sie Frauen sind? Gehe es nicht vielmehr um die Qualifikation jedes einzelnen? Was zeichnet Frauen aus?
Christiane Freisleder: „Wir brauchen gemischte Teams“
„Ganz einfach“, meint Christiane Freisleder, Bürgermeisterkandidatin (FWW): „Wir brauchen gemischte Teams!“ Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus, sagt sie, deswegen sollten sie auch mitentscheiden bei der Zukunft von Wohnraum, Energie- und Wasserversorgung, Kindergärten, Schulen und Pflege,. „Denn viele Perspektiven gibt es nur mit gemischten Teams: Handwerker UND Akademiker, Alteingesessene UND Zugezogene und Mann UND Frau“, davon ist Christiane Freisleder überzeugt.
Schwacher Frauenanteil in den Räten
Fakt ist: Frauen sind auf allen politischen Ebenen unterrepräsentiert- vor allem in der Kommunalpolitik. Obwohl Frauen schon seit 1919 in den Gemeinderat gewählt werden dürfen, liegt mehr als hundert Jahre später der Frauenanteil bayernweit bei durchschnittlich 24 Prozent – in Windach sogar nur bei 12,5 Prozent. Für den nächsten Gemeinderat bewerben sich 19 Kandidatinnen, verteilt auf die fünf Gruppierungen BILO/Grüne, Freie Wähler und den Dorfgemeinschaften Windach, Hechenwang und Schöffelding. Alle Bewerberinnen waren zu einem Fototermin für ein gemeinsames Plakat eingeladen, viele sind gekommen
Der Frauenstammtisch Windach
Der „Frauenstammtisch Windach“ hat zur Wahl am 8. März keine eigene Liste, sondern setzt sich überparteilich für mehr Frauen in der Kommunalpolitik ein. Die Idee dazu bekam Bettina Sunder-Plassmann durch die Initiative „Bavaria ruft!“. Das ist eine parteiübergreifende Initiative unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Ulrike Scharf (beide CSU). Ziel ist es, den Frauenanteil in Gemeinderäten, Stadträten und bei Bürgermeistern und Landräten zu erhöhen. Damit Politik vielfältiger wird. Architektin Bettina Sunder-Plassmann tritt bei den Gemeinderatswahlen in Windach für die Grünen an.
Bei den Windachern, die an diesem Samstag am Infostand des „Frauenstammtisches“ vorbeikommen, scheint diese Botschaft gut anzukommen. Es finden viele offene, auch kontroverse Gespräche statt, in positiver Stimmung. Zum Schluss noch ein offenes Geheimnis: Die Frauen vom „Frauenstammtisch“ werden auch einzelne Männer wählen, denn: Die Mischung macht’s!
Astrid Uhr