Wohin mit der Bücherei?

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Die bisherigen Räume werden von der Pfarrei gebraucht, deshalb beriet der Gemeinderat über einen neuen Standort. Wir haben reingehorcht…

„ Da sind ja bald mehr Besucher als Gemeinderäte“ staunte ein Mitglied des Gremiums bei der Sitzung am 13. Juli im Gebäude der Feuerwehr in Windach. Und tatsächlich: Nicht nur einige interessierte Zuhörer, sondern das ganze 7-köpfige Team der öffentlichen Bücherei im Pfarrzentrum Maria am Wege war angetreten, um die Verhandlung zu Punkt 5 der Tagesordnung zu verfolgen: Es ging um die Verlagerung der Bücherei. Notwendig geworden durch die Pläne der Pfarrei, die unter dem Pfarrsaal gelegenen Räume selbst zu nutzen.

Ein freundlicher Ort zum Schmökern

Wer noch nie dort war: Die Mittwochnachmittag und Sonntagvormittag geöffnete kleine Bibliothek ist ein beliebter Treffpunkt für Windacher Bücherfreunde. Vor allem das tolle Angebot an Kinder- und Jugendbücher wird von den Familien genutzt. Eine freundliche Einrichtung, die man gerne besucht. Das ist auch dem engagierten und netten Team rund um Leiterin Edith Kracher aus Hechenwang zu verdanken, die seit tatsächlich 21 Jahren die Bücherei leitet – ehrenamtlich, wie alle der derzeit sechs Damen und einem Herren.

Ist ein Umzug in Container möglich?

Bürgermeister Richard Michl erläuterte einleitend, dass der von der Kirche geplante Umbau der bislang von der Bücherei genutzten Räume nunmehr genehmigt sei und deshalb die Verlagerung der Bücherei notwendig werde. Eine Containerlösung sei angedacht, mögliche Standorte wären die rote Klinkerfläche vor der Schule, das Gelände am Jugendhaus oder der bisherige Fahrzeug-Abstellplatz in Oberwindach. Später sei eine Integration der Bücherei bei der geplanten neuen Ortskernbebauung geplant (wir haben be-


Bücherei-Eingang

richtet). Auch müsse der zukünftige Betreiber bestimmt werden. Bisher werden die Kosten für die Bücherei von der Kirche getragen, genauer gesagt vom St.Michaelsbund (Sankt Michaelsbund zur Pflege des katholischen Schrifttums in Bayern e.V.), der als Fachstelle für die Kirchliche Büchereiarbeit gegenwärtig 172 Büchereien betreut. Michl plädierte für ein finanzielles Engagement der Gemeinde in dieser Sache: „Für mich steht außer Frage, dass wir uns hier engagieren sollten“.

„Ein Ort der Bildung und Kultur“

Im Laufe der folgenden Diskussion wurde die Containerlösung von den meisten Gemeinderäten kritisch beurteilt. Maria Dörner von den Freien Wählern: „Es wäre doch sinnvoll, die Bücherei in die Schule zu integrieren, der Standtort nahe dem jetzigen wäre ideal.“ Als Richard Michl zu bedenken gab, dass der Schulleiter eine solche Lösung aus Platzgründen ablehnen würde, wollte sich Dr. Adolf Gebhard (Freie Wähler) mit diesem „nein“ nicht zufrieden geben: „Es kann nicht sein, dass ein Schulleiter das ablehnt, dafür ist der Schulverband zuständig!“ Ähnlich äußerte sich auch der zweite Bürgermeister Ingmar Bertling (Freie Wählergemeinschaft Schöffelding). Rudolf Frommknecht (Bilo /B 90 Grüne) meinte: „Die Bücherei ist ein Ort der Bildung und Kultur, eine Blechbüchse als Standort ist keine gute Lösung, der logische Platz ist in der Schule!“ Ute Pontius ( Bilo/ B90 Grüne) machte den Vorschlag, die Leerstände in Windach zu prüfen, um ev. ein Haus zur vorübergehenden Anmietung zu finden. Auch der Einsatz einer Fichtl Box, der Version eines Tiny Hauses des in Hechenwang ansässigen Bauunternehmens, wurde ins Gespräch gebracht und von einigen Räten positiv bewertet. Zum Beispiel von Dr. Christoph Köhl ( Bilo/B90 Grüne), der die Containerlösung als „Anfang vom Ausdümpeln..“ apostrophierte. Auch Robert Beinhofer von der Dorfgemeinschaft sprach sich gegen eine Containerlösung aus und meinte: „Wir dürfen die Bücherei jetzt nicht im Regen stehen lassen.“ Markus Ertl (Freie Wähler) hielt es für einen guten Gedanken, Bücherei und Schulbücherei zusammen zu legen und plädierte dafür, das Gespräch mit dem Schulverband aufzunehmen. Was mit den in der Pfarrei frei werdenden Räumen passieren würde, wurde ebenso nachgefragt wie weitere Nutzungsmöglichkeiten auf dem Gelände der Kirche – zum Beispiel in Richtung Parkplatz oder dem großen Pfarrgarten. Einige Fakten zum Thema lieferte Altbürgermeister Walter Graf, dem als Vertreter der Kirchenverwaltung das Wort erteilt wurde. Er erläuterte, wie im Zuge der Zusammenlegung der Pfarreien zu einer Pfarreigemeinschaft (dazu gehören Windach, Hechenwang, Schöffelding, Eching, Greifenberg, Entraching, Oberfinning und Unterfinning) die Einrichtung eines Zentralbüros festgelegt werden musste, und wie schwierig es alleine war,ine Genehmigung für den Umbau der bestehenden Räume zu erhalten. Für die weitere Planung sah er noch einen gewissen zeitlichen Spielraum, „wenn die Mühlen weiterhin so „schnell“ mahlen wie bisher.“

6000 Medien müssen umgezogen werden

Auch die anwesende Bücherei-Leiterin Edith Kracher wurde vom Gemeinderat um eine Stellungnahme gebeten. Sie zählte detailliert auf, welche Voraussetzungen für einen guten Büchereibetrieb am neuen Standort bzw. im Container gewährleistet sein sollten – vom Raumangebot über Internetanschluss und bücherfreundliche Klimaverhältnisse ohne große Hitze und Temperaturschwankungen

Auch bei den kleinen Besuchern beliebt: Victoria Beinhofer bei der Auswahl der passenden Lektüre

bis hin zur Möglichkeit einer Toilettennutzung. Auch auf die erforderliche Manpower zum Umzug wies sie hin: Schließlich müssen 6000 Medien versetzt werden, was von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen keinesfalls geleistet werden könne.

Am Ende der ausführlichen Diskussion wurde vom Gemeinderat der Beschluss gefasst, mit dem Schulverband ins Gespräch zu treten und außerdem die Kosten und die Möglichkeiten für die angesprochenen Alternativlösungen zu prüfen. Fortsetzung folgt….

Petra Bäuerle