Startschuss mit Sekt und Sonderfahrt

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  Sekt nach der Probefahrt gab es kürzlich beim zweiten Treffen einer jungen CarSharing-
Initiative, die sich derzeit in Windach formiert.

Hatte bei einem Info-abend Anfang September noch Jo-Ann Meding vom Schondorfer CarSharing-Verein die Fakten und Optionen für den Windacher Anschluss vorgestellt, konnten es Ende September einige gar nicht mehr erwarten, das von Bürgermeister Michl persönlich überlassene erste Windacher CarSharing-Auto zu buchen. Ein paar Tage müssen sich die mehrheitlich weiblichen künftigen Autoteiler*innen noch gedulden, bis Schlüsselsafe, Autoaufdruck und die Einpflege des brandneuen Renault-Zoe ins Buchungssystem des Schondorfer Vereins verfügbar und erledigt sind. Indessen wächst die Interessentenliste ständig an.

„Es geht wirklich um den Schritt, das eigene Auto loszulassen, den Zweitwagen abzugeben, das Drittauto gar nicht erst anzuschaffen“, und sich mit kooperativen Lösungen im Fahrverhalten neu zu organisieren, betonte Josefine Anderer-Hirt, die nicht ganz uneigennützig das Vorhaben in Windach vorantreibt. Bei ihr und mehreren Interessentinnen steht tatsächlich der Abschied vom alten PkW kurz- bis mittelfristig bevor, und sie alle sind dankbar, dass innerhalb kürzester Zeit das erste Auto zur Verfügung steht. Ob nun das E-Auto tatsächlich die erste Wahl für ein CarSharing ist, wird sich zeigen. Die Reichweite des Zoe wird aber bei den überwiegend für Kurzfahrten genutzten Touren in der Regel ausreichen. Geladen wird an LEW-Säulen bzw. an der Steckdose im Windacher Schlosspark, mit eigenem Stromzähler versteht sich. Neugierig und ohne Scheu ließen sich die Anwesenden das Auto erklären und machten gleich eine erste Probefahrt, für die meisten war das auch die erste Erfahrung mit einem Elektroauto.

Startschuss mit Sekt und Sonderfahrt: Bürgermeister Michl (hinten Mitte) hat mit der Überlassung seines neuen Renault Zoe die CarSharing-Initiative Windach beschleunigt.

Windach muss keinen eigenen Verein gründen, sondern kann als Zweigstelle von Schondorf ins CarSharing starten. Im Gemeinderat steht dieMehrheit dem Anliegen offen gegenüber, die Anzahl der Fahrzeuge in Windach und seinen Ortsteilen im Allgemeinen, aber auch den Individualverkehr im Besonderen zu reduzieren. Zeigt sich doch selbst in einer ländlichen Ortschaft wie Windach, dass in einigen Quartieren so viele Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum stehen, woraus sich heikle Situationen für Not- und Ernstfälle ergeben, wenn es für Rettungs- oder Feuerwehrfahrzeuge kein Durchkommen gibt.

Dass eine wachsende Gruppe bereit ist, in der Individual-Mobilität neue Wege zu gehen, ist auch die Erfahrung der Vereine am westlichen Ammersee-Ufer – auch Utting und Dießen haben bereits CarSharing. Bei einer Fahrzeugnutzung von weniger als 10.000 Kilometern pro Jahr würde sich ein Sharing-Auto erfahrungsgemäß rentieren. Mit einer einmaligen Einlage von 600€ und einer einmaligen Aufnahmegebühr von 50€ kann eine Familie oder eine Hausgemeinschaft mit bis zu fünf Fahrer*innen den Service des Schondorfer Vereins nutzen. Über ein Buchungssystem kann der benötigte Zeitraum per Computer oder Smartphone kurzfristig oder länger im Voraus gebucht werden. Zentrale feste Standorte der Carsharing-Fahrzeuge halten die Wege kurz, weshalb die Windacher Initiatorinnen schon weitere Standorte mit sog. Überlassungsfahrzeugen im Visier haben, z. B. in Oberwindach, aber auch in den Ortsteilen Schöffelding und Hechenwang. Auch an die Anschaffung eines eigenen reinen CarSharing-Fahrzeugs wird gedacht, sollte die Nachfrage entsprechend anwachsen. Deshalb wird jetzt erst mal feste Werbung gemacht. Interessent*innen am CarSharing in Windach dürfen sich gerne unter cw-mitglieder@mobi-ll.de melden. Auch ideelle Unterstützer*innen sind willkommen. Ein nächstes Treffen ist bereits für Mitte Oktober anberaumt. Bis dahin haben gewiss bereits einige die Aufnahme-Formalitäten erledigt, so dass man schon per CarSharing-Auto zum Termin anreisen kann.

Die Windacher Initiative ist eine Folge des großen Mobi-LL-Forums vom Februar. Informationen zu weiteren Aktionsfeldern der Bürgerinitiative mobi-LL und CarSharing am Ammersee finden sich unter www.mobi-ll.de.

Josefine Anderer-Hirt
Foto: Tina Jehle