Droht den Sportfreunden Windach das Aus?

Aufrufe: 13

Es klingt wie ein schlechter Scherz: Das neue Sportheim steht bereit und der Verein findet keine neue Führung. Höchste Zeit für einen Weckruf!

Alles könnte so schön sein: Das neue Vereinsgebäude endlich fertig, der Sportbetrieb kann nach der dritten Corona-Welle langsam wieder anlaufen und das 100jährige Jubiläum steht bald an. Es gibt einiges, auf das man stolz sein darf, es gibt aber auch viel zu tun. Da nunmehr der 1. und der 2. Vorstand nach vielen verdienstvollen Jahren ihr Amt niederlegen wollen, fehlt es an Ehrenamtlichen für die Nachfolge.

1. und 2. Vorstand legen das Amt nieder
Manfred Schöller, der das Amt des 1. Vorstands seit 12 Jahren inne hat, kann die Tätigkeit aufgrund seiner Verpflichtungen im eigenen Unternehmen, wie mehrfach von ihm angekündigt, nicht mehr fortführen. „Eigentlich wollte ich schon nach der für 2019 geplanten Fertigstellung des Sportheims meine Vorstandsarbeit beenden, doch wegen der Verzögerung durch den Wasserschaden im Gebäude und den Terminverschiebungen durch Corona musste ich meine Pläne ändern, auch, weil ich eben kein unfertiges Projekt hinterlassen wollte.
Bei der bevorstehenden und schon mehrmals verschobenen Jahreshauptversammlung ist aber endgültig Schluss. Ich bin nicht mehr der Richtige für dieses Amt.“ Auch John Buchmeier, der jetzt im siebten Jahr die Pflichten des 2. Vorstands wahrnimmt, wird aufhören. Der selbstständig tätige Architekt und Familienvater mit zwei kleinen Kindern würde sich über einen Nachfolger aus dem Nachwuchs-Bereich freuen. „Ich finde, dass mehr junge Leute in den Gremien vertreten sein sollten. Wir wollen einen modernen Verein, da braucht es frische Impulse. Zum Beispiel sollte endlich einmal die alte Satzung überarbeitet werden.“

Die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen
Sowohl Manfred Schöller als auch John Buchmeier könnten sich vorstellen, dass die Aufgaben geteilt und die Ämter von mehreren Personen bekleidet werden könnten.

Wie Manfred Schöller berichtet, wird das z.T. auch in Nachbargemeinden so gehandhabt. In Finning zum Beispiel würden sich drei Vorstände um die Vereinsleitung kümmern. „Wir haben hier in Windach so viele engagierte Menschen, die in vielen Bereichen aktiv sind, und nur bei den Sportfreunden sollten sich keine Ehrenamtlichen finden? Das würde mich wirklich enttäuschen.“ Für die beiden ebenfalls neu zu besetzenden Positionen – Erster Schriftführer und Vereinsjugendleiter – sind mittlerweile Nachfolger gefunden worden. Auch ist der Verein glücklich, dass Organisationsleiter Hans Melch, der sein Amt ebenfalls nach vielen engagierten Jahren niederlegen wollte, noch ein Jahr weitermachen will. Der Leiter der Tennisabteilung, Ralf-Peter Beutel, hofft für die Jahresauptversammlung auf eine Lösung in letzter Minute. „Vor der Wahl des jetzigen Vorstands hatten wir eine ähnliche Situation, deshalb gehe ich davon aus, dass sich auch dieses Mal wieder jemand finden wird. Es ist auch beim Tennis nicht einfach, die Posten zu besetzen. Viele wollen eben lieber konsumieren als sich engagieren.“

Die lange Liste der Ehrenamtlichen
Wer einmal in die Liste der Vereinsverantwortlichen schaut, staunt über die vielen Namen: Zwei Vorstände, zwei Kassierer, zwei Schriftführerinnen, ein Organisationsleiter und Ehrenbeauftragter. Es folgt die Vereinsjugendleitung, sechs Beiräte und zwei Kassenprüfer. Und weiter geht es mit den einzelnen Abteilungen, die jeweils Abteilungsleiter, Trainer und Übungsleiter brauchen. Der Schwerpunkt in Windach – manch einer mag es schon bemerkt haben – liegt auf den Ballsportarten. Fußball, Tennis, Basketball, Volleyball, Tischtennis und dann sind da noch Gymnastik, Karate, Eisstock und Schach. Die „großen“ Abteilungen sind Fußball, Tennis… und das Kinderturnen. Da ist es doch eine gute Nachricht, dass diese wichtige Abteilung von der neuen Übungsleiterin Nina Ostushenrich fortgeführt werden kann – sobald die Pandemie-Einschränkungen das erlauben!


Damit nicht bald schon das Heimspiel zum Endspiel wird, muss ein neuer Vorstand gefunden werden.

Mitgliederschwund und Kostenlast
Das Ausfallen der Trainingsstunden infolge der Corona-Maßnahmen hat den Verein einige Mitglieder gekostet, wie Manfred Schöller berichtet. Auch die mehrere Jahre andauernde Phase ohne Sportheim, bedingt durch die Bauphase und den unglücklichen Wasserschaden kurz vor Fertigstellung vertrieb viele Sportfreunde von der Liste der Zahlenden. „Zum Beitragseinzug im Februar 2021 verzeichneten wir nur noch knapp 875 Mitgliedern“, so berichtet Manfred Schöller, „Zu Beginn der Planung für das neue Gebäude waren es noch fast 1200.“ Natürlich kommen immer mal wieder ein paar neue hinzu, doch die Finanzlage könnte besser sein. Bislang ungelöst ist zum Beispiel auch die Sache mit der Pacht für das Vereinsheim, zu entrichten an die Gemeindewerke Windach. Schöller: „Der Pachtvertrag an sich steht, kann aber dennoch nicht unterzeichnet werden, da der Mitgliederschwund und die damit zusammenhängenden fehlenden Mitgliedsbeiträge – auch nach Berücksichtigung des Zuschusses der Gemeinde zur Gesamtpacht – den Verein tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Daher läuft aktuell ein Antrag an die Gemeinde auf Kostenübernahme der Pacht.“ Wie Manfred Schöller weiter erläutert, ist es durchaus üblich, dass die Kosten der Sportvereine von den Gemeinden bezuschusst oder ganz übernommen werden, da der Sportbetrieb sonst nicht aufrecht erhalten werden könnte. Immerhin kümmere sich der Verein und seine ehrenamtlich tätigen Mitglieder nicht nur um viele erwachsene Windacher, sondern auch um hunderte Kinder und Jugendliche.

Wann die Auflösung droht
So wichtig die Finanzen sind: Noch wichtiger ist die Existenz des Vereins, um die es bei der anstehenden Jahreshauptversammlung gehen wird, die im Juni oder Juli statt-
finden soll. „Meist kommen nur um die 50 Leute dorthin“, meint John Buchmeier, „das macht es schwer, neue Leute für die anstehenden Aufgaben zu finden. Ich würde mir mehr Interesse und mehr Engagement wünschen.“ Sollten – was sich andeutet – keine Nachfolger für den 1. und 2. Vorstand gefunden werden, bestimmt die Vereinssatzung das weitere Vorgehen. So muss innerhalb von acht Wochen eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, bei der die Ersatzwahl erfolgt. Wird auch dann niemand gefunden, steht die zeitlich begrenzte Einsetzung eines externen Vorstands an. Falls auch danach die Posten nicht besetzt werden können, wird der Verein aufgelöst. Dann hätte Windach also ein Vereinsheim ohne Verein. Eine Situation, die sich keiner wünschen kann, schon gar nicht die derzeit Verantwortlichen.

Feste feiern und Freude bereiten
Dass ein solches Amt zwar einige Arbeit mit sich bringt, aber auch viel Freude bereiten kann, bestätigt uns der „Amtierende“ Manfred Schöller: „Ich freue mich noch heute jedes Mal, wenn ich Kinder in unseren Trainingsanzügen im Ort sehe. Denn bei der Vereinsarbeit geht es vor allem auch um die Kinder. Und ich beglückwünsche immer auch sehr gerne unsere Senioren zu den runden Geburtstagen. Es motiviert, zu sehen, wie die Leute sich über einen Besuch freuen.“ Gerne erinnert er sich an vergangene Feste wie die Faschings- und Weihnachtsfeiern oder das traditionelle Ostereiersuchen. „Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft wieder mehr Zusammenkünfte dieser Art gibt und vor allem: Dass die nachträgliche Eröffnungsfeier des Sportheims und unser 100jähriges Vereinsjubiläum gebührend gefeiert werden können.“

Petra Bäuerle
Foto: Reiner Lekar