DIE VIRTUELLE COMPANIE – in Windach zu Hause

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Die Theaterscheune an der Kloster- mühle ist zu einem eingeführten Ort geworden – viele Windacher wissen, da wird Theater gespielt, und es ist immer sehenswert. Seit sechs Jahren hat Die Virtuelle Companie in der Scheune ihre feste Spielstätte gefunden und kehrt jetzt, nach der Coronapause, mit einer neuen Produktion zurück. „Rauf – runter – Crash!“ heißt das Stück, das im Mai auf die Bühne kommt, und die Truppe freut sich da- rauf: Endlich! Wieder spielen! Wieder zusammenkommen!

Die Virtuelle Companie spielt an vielen Orten – mal in Bernried, Dießen oder Landsberg, viel in München und weiter weg, in Eichstätt oder Bozen. „Aber Windach ist mittlerweile unser theatralisches zu Hause geworden“, sagt Katalin Fischer, die die Stücke schreibt und Regie führt. „An vielen Häusern gastieren, das ist schön. Aber ein eigenes Haus – das ist noch schöner!“


Im Bild (von l.o.)
Katalin Fischer, Rebecca Mack von Elmenau, Emil Michalsky, Yasmin Afrouz, Gabi Fischer,Simon Nick, Paolo Hirsch, Leoni Afrouz, Fanny Arnold, Simon Japha

An Abwechslung hat es nicht gefehlt. Mal war die Bühne dreistöckig, mal saßen die Protagonistinnen in einem Boot; mal gab es eine Drehbühne, mal Videos oder live-Musik. Die Virtuelle Companie liebt es bunt, turbulent, überraschend. So kamen in einem Stück etwa drei Ebenen der Liebe zusammen: Shakespeare`sche Paare verwechselten sich andauernd und lavier- ten elegant zwischen altehrwürdiger Spache und hippem Alltagsdeutsch, ein älteres Ehepaar zerfleischte sich, weil es die Liebe längst vergessen hatte, und auf der Leinwand reduzierte sich die Beziehung der Puppen Mr. Punch und Judy darauf, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Wie es dazu kam?
Eher ungeplant. 2017 sollte die Companie in den Dießener Huberhäusern spielen. Doch drei Wochen vor der Aufführung wurde es verboten, Einsturzgefahr. Verzweifelt suchte Fischer nach einer Alternative und fand schließ- lich in Konni Schwingenstein einen freundlichen Gastgeber.
Große Erleichterung! Viele Helfer packten mit an, und die Scheune wurde zum Theater umgezaubert: Ausräumen, Aufräumen, Bühne bauen, Stühle holen, Licht- und Tontechnik, Bühnenbilder – und sogar eine Bar wurde eröffnet, für die der Windacher Bildhauer Hannes Kinau sein Atelier zur Verfügung stellte. Nach den Aufführungen wird zurückgebaut – um bei nächster Gelegenheit neu an- zufangen! Dann sind alle wieder dabei, planen, bringen, schleppen, schrauben, stemmen, schwitzen, helfen: Der Dießener Schacky Park-Verein mit Stühlen, Jürgen Gerum mit Licht- und Tontechnik, Noah Cohen und Hannes Kinau bei den teils riesigen Kulissenteilen, Andreas Kloker mit nie versiegenden Bühnenideen, Väter, Ehemänner, Töchter, Freunde und Cousinen mit Autoanhängern, Akkuschraubern, Leitern und hochgekrempelten Ärmeln.

Die Theaterscheune wurde von Windachern wie auch Besuchern von weiter weg gut angenommen. Es kommen viele Zuschauer, manche Vorstellung war sogar über-aus- verkauft, so dass in letzter Minute noch zusätzliche Stühle und Bänke herbeigeschafft werden mussten – aber Konni Schwingenstein hat ja zum Glück genug da. Die Spielstätte hat sich in Windach eingelebt – das heißt, in jeder Beziehung: Win- Win!

In einer anderen Produktion mischte sich die romantische Szenerie des französischen Kultfilms „Kinder des Olymp“ mit der Realität ihrer Entstehungsgeschichte mitten im Weltkrieg. Der Monumentalstreifen über zwei wetteifernde Pariser Theater des 19.Jahrhunderts entstand unter Naziterror. Und so wurde im Winda- cher Theaterstück das Spiel der verliebten Harlekins und komischen Räuber von der eiskalten Präsenz von Nazi- schergen unterbrochen. Gerade noch war von Liebesleid und Eifersucht die Rede – plötzlich Auftritt Schrecken, Folter, Mord.

Die Virtuelle Companie ist eine freie professionelle Theatertruppe unter professioneller Leitung, Bühnentechnik, Kulissen und Kostüme stammen aus professioneller Hand. Unter den Schauspielern sind Profis und Laien etwa in gleicher Zahl vertreten, wobei Katalin Fischer nicht gern von „Laien“ spricht. „Unter uns – es gibt auch genug schlechte Profischauspieler! Für mich zählen Intelligenz, eine starke Persönlichkeit, Neugier und Lernfähigkeit – und dann wird`s gut.“
Alle Mitwirkenden der Companie besitzen Bühnenerfahrung. Manche spielen seit der Kindheit, andere lernten viel durch die Arbeit in der Companie. Jeder neuen Produktion geht ein zweitägiger Workshop voran, der nicht nur als Schauspielunterricht dient, sondern auch Spaß macht und Nähe schafft.

Die Mitwirkenden wechseln ständig. Bei jedem Stück ist eine andere Besetzung gefragt, aber auch das Leben mischt mit: Mal zieht jemand nach Bochum, mal bekommt jemand ein Kind, eine braucht plötzlich mehr Zeit fürs Studium, einer heiratet nach Kanada.

Bei „Rauf – runter – Crash!“ spielen auch wieder Neue mit: der Akkordeonist Simon Japha ist zum ersten Mal dabei, wie auch die drei Jugendlichen Simon Nick, Paolo Hirsch und Emil Michalsky. Die Companie lernte sie letztes Jahr beim Gastspiel im Kloster St. Ottilien kennen. Die Fünfzehnjährigen packten bei der Technik tatkräftig und kompetent mit an, eine tolle Stimmung entstand. „Für gute Leute bin ich leicht entflammbar“, sagt Katalin Fischer, die die drei sofort für das neue Stück engagierte.

Es spielen auch diesmal die professionellen Companiemitglieder Gabi Fischer und Yasmin Afrouz mit, wie auch Rebecca Mack von Elmenau, die jetzt als Sängerin glänzen wird. Zum zweiten Mal macht die begabte Schülerin Leoni Afrouz mit, und schon in der vierten Produktion die junge Fanny Arnold, die bereits in sehr unterschiedlichen Rollen ein beachtliches Talent an den Tag legte.

Jetzt also das neueste Stück der Virtuellen Companie, zum Motto Sehnsucht.
Und weil das Thema interessant bis heikel, romantisch bis kitschig, traurig bis lächerlich, tiefgründig bis seicht ist, kommen auch all diese Facetten darin zum Tragen. Also: Farben, Bilder, Töne, Bewegung, Krach!

Es wird recht spektakulär – denn da sitzen zwei … Stop!
Das wird jetzt aber nicht verraten.
Einfach kommen und sehen! Es wird nicht langweilig!
Im Rahmen der Kreiskulturtage Landsberg
„Rauf – runter – Crash!“
Donnerstag – Freitag, 19. und 20. Mai
Dienstag – Mittwoch, 31. Mai und 1. Juni – jeweils 20 Uhr
Bar öffnet um 19:30
Theaterscheune an der Klostermühle Windach – Schützenstr. 12
VVK: Schlossmarkt Windach
Buchhandlung CoLibri, Behnhofplatz 14, Dießen, Tel: 08807-2869888