Das schöne Windachtal erhalten

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Windach/Finning – Seit ein paar Jahren kommen immer mehr Besucher aus nah und fern ins schöne Windachtal. Einen regelrechten Boom erlebte das Landschaftsschutzgebiet mit Beginn der Corona-Pandemie. Auslöser waren u. a. ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung und verschiedene Apps, die das Windachtal als Geheimtipp ausweisen.

Frühling im Windachtal

Gab es früher einen einzigen Trampelpfad entlang der Windach, sind die Wege mittlerweile nicht nur ausgetreten, es haben sich durch die vielen Besucher neue Pfade gebildet, die es noch vor ein paar Monaten nicht gab – fast jede Woche kommen neue hinzu.

Immer mehr Mountainbiker befahren das Gelände und zimmern sich sogar Brücken und Stege, um leichter und schneller durchfahren zu können.

Der Gipfel sind Motocrosser, die meist an Samstagen durchs Windachtal brausen. Besucher treffen sich zu Picknicks und da und dort wird sogar ein Feuer angezündet. Die Besucher lassen auch Müll an und in der Windach, den Naturschützer immer wieder in Ramadama-Aktionen aus dem Auwald entfernen müssen. Die Parkplätze sind besonders in Windach an den Wochenenden überfüllt, es stehen bis zu 40 Autos in den Straßen in der Nähe der Windach.

Windachtal-Sommer-Idyll

Die Folge: Das Windachtal als besonders geschütztes FFH-Gebiet und als Bayerns zweitgrößtes Märzenbechergebiet wird zunehmend in Mitleidenschaft gezogen, der Lebensraum für die dort lebenden seltenen Tiere verschlechtert sich zusehends. Zudem mussten dort vor Kurzem aufgrund der Verkehrssicherungspflicht der Waldbesitzer zahlreiche Baumfällungen (kranke und bruchgefährdete Bäume) vorgenommen werden; durch den dabei auftretenden Lärm wurden die Tiere zusätzlich verschreckt und ihr Lebensraum beschnitten.

Ein wachsamer Rehbock

Vielen Bürgerinnen und Bürgern sind die Veränderungen aufgefallen, sie sorgen sich um das wertvolle und geschützte Windachtal. Mehr als 50 von ihnen haben sich vor Kurzem zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Ziel ist es, dieses einzigartige Naturjuwel in seinem ursprünglichen Zustand zu schützen, zu bewahren und die Windach als Lebensraum und Brutgebiet für die dort lebenden Tiere, aber auch als Erholungsort für die Windacher und Finninger zu erhalten.

Natürlich soll niemandem der Zutritt verwehrt werden, gerade in Corona-Zeiten ist es verständlich, dass Menschen Zeit in der Natur verbringen wollen und sich mangels Reisen neue Gebiete erschließen. Es müsste aber möglich sein, bei den Besuchern mehr Verständnis für die Belange der Natur zu wecken. Und Mountainbiken und Motocrossfahren ist dort sowieso verboten, viele wissen das nur nicht.

Dachs mit Nachwuchs

Ziel der Interessengemeinschaft ist es daher, ein besseres Zusammenspiel von Naturschutz, Waldbewirtschaftung und des starken Waldbesucheraufkommens und Freizeittourismus zu bewirken – und zwar gemeinsam mit den Waldbesitzern, der Unteren Naturschutzbehörde, den Umweltverbänden LBV und BUND Naturschutz, dem Amt für Landwirtschaft und Forsten und den betroffenen Gemeinden Windach und Finning.

Bedrohter Eisvogel

Erste Ideen sind: Biker von der Windach wegleiten, Informationsschilder aufstellen, Pressearbeit, Löschung der „Geheimtipps“ aus den Apps, Entfernung der unerlaubt aufgestellten Brücken und Stege, Überwachung durch Gebietsbetreuer u. a.

Blauflügelprachtlibelle

Wer die Initiative „Unser Windachtal“ unterstützen möchte und der Meinung ist, dass gemeinsam etwas getan werden muss, um das Windachtal in seiner bisherigen Schönheit und Einzigartigkeit zu bewahren und zu beschützen, kann sich unter der folgenden E-Mail-Adresse melden

Unser-Windachtal@web.de

Jede/r entscheidet selbst, wie viel Zeit und welches Engagement er oder sie im Rahmen seiner Möglichkeiten aufbringen möchte.

Text: Barbara Heinrichsbauer, Michaela Hofmann, Sabine Leitner, Sibylle Reiter, Ute Pontius, Jan Klingberg und Helge Lindenmüller Fotos: Karl Freisleder, Ute Pontius, Reiner Lekar