65 Bäume und ein Hofladen

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Ein Besuch im Betrieb von Dieter Felser an der Steinebacher Strasse

Die großen Erdwälle entlang der Straße nach Steinebach sind längst verschwunden, statt dessen prägen jetzt viele neue Bäume und eine dichte Kleewiese das Gesicht der Rinderweide am südlichen Ortsausgang Windachs. Hohe Säuleneichen säumen die Zufahrt zum großen Stall mit dem charakteristisch geschwun- genen Holzdach. Linden, Pappeln und Trauerweiden umrahmen Gebäude und die neu angelegten Regenwasserbecken auf der Weide. Besitzer Dieter Felser ist zufrieden, dass auch die Streuobstwiese Richtung Dürrhansl, die Blühstreifen und Sumpfblühwiesen so gut angewachsen sind.

Freundliche Rinder

Auf seinen Zuruf kommt die 60köpfige Angus-Rinderherde laut muhend angaloppiert und umringt uns kurz neugierig, bevor sie sich wieder dem Klee widmet. In den Sommermonaten lebt die Herde ausschließlich draußen, der Offenstall steht so lange leer. Von Januar bis April diesen Jahres wurden 20 Kälber in die Herde geboren, die älteste Kuh ist schon 17 Jahre alt. Stier Nino hat bereits für Nachwuchs im nächsten Jahr gesorgt und steht jetzt mit den Schlachtochsen getrennt von seinen Kühen. Der Tierhalter zeigt auf einen hellbraunen Ochsen: „Den werden wir in den nächsten Tagen in die Schlachtung bringen.“

Zukunftspläne mit Hofladen

Mit der Anschaffung der Herde vor 15 Jahren – ein Freund steckte ihn damals mit seiner Begeisterung für die Fleischrasse an, stieg Dieter Felser in die Landwirtschaft ein. Seit 2009 kann er sich zertifizierter Biolandwirt nennen, den Rinderbetrieb an der Steinebacher Strasse bewirtschaftet er zusammen mit seiner Lebensgefährtin.

Neben der artgerechten Haltung seiner Tiere und nachhaltiger Bebauung ist ihm auch ein ansprechendes Erscheinungsbild seines Betriebs wichtig. „Wenn wir hier schon sind, wollen wir es für uns und die Umgebung auch schön haben“.

Schön auch für Besucher seines Hofs. Baldmöglichst möchte Dieter Felser hier einen Hofladen eröffnen, wo er das Biofleisch vor Ort vermarkten und den Kunden Einblicke in seine Tierhaltung ermöglichen kann. Dafür hat der bauerfahrene Landwirt zwischen Streuobstwiese und Stall die Errichtung einer weiteren Halle geplant, die neben den Verkaufsräumen Platz für Futterlagerung, Zerlegung und Fleischkühlung bietet. Auch ein Betriebsleiterhaus ist in Planung, um seinen Standort dauerhaft bei den Tieren haben zu können.

Wie schnell er seine Vorhaben realisieren kann, weiß Herr Felser noch nicht, denn die Baupläne befinden sich noch in der Prüfung. Der Seteneinsteiger hofft auf eine positive Beurteilung durch den Gemeinderat, denn, so Felser: „…wir nehmen die Landwirtschaft und das Tierwohl hier sehr ernst und ich glaube, die Tiere fühlen sich auch wohl.“

Heikles Thema Schlachtung

Auch beim Schlachten möchte Dieter Felser neue Wege gehen: Seit kurzem testet er die Möglichkeiten einer Weideschlachtung aus, damit langeTransportwege vermieden werden und die Ochsen möglichst wenig Stress bekommen…

Dabei wird das Tier auf der Weide erst separiert und dann in Anwesenheit eines Amtstierarztes von einem zertifizierten Metzger vor Ort getötet. Um dies bewerkstelligen zu können, braucht es laut Felser „ … nicht nur die Erlaubnis nach den vielen EU-Vorschriften, sondern auch ein Umdenken im Rahmen des Tierwohls. Das ist jetzt ein Versuch und wir werden sehen, ob es den Tieren guttut…“

Das getötete Rind kommt dann nur bis zur sogenannten Schlachtreife in einen nahen Schlachtbetrieb.

„Rinder-Patties“ auf Bestellung

Die Portionierung und Vakuumierung übernehmen er und Lebensgefährtin

Gutes Verhältnis zu den Rindern: Karin Otten mit Schlachtochse Nr: 35220

Karin Otten selbst wie auch die Belieferung von Privatkunden und Restaurants im Umland mit gemischten Fleischpaketen sowie ihrer Spezialität, den Bio-„Patties“ (Hackfleisch- Rundlingen) für Burger.

Auf die Frage, ob es zukünftig auch Kooperationen mit hiesigen Abnehmern geben wird, meint Felser:

„Wenn Interesse da ist und es sich im Rahmen des Tierwohls rechnet, sind wir offen für alles.“

Kontakt: df@ammersee-cattle-ranch.de

Text und Fotos: Bettina Buschbeck